Sie schwanken zwischen den beiden Namen, die in jeder Diskussion über portables Retrogaming auftauchen, und die widersprüchlichen Meinungen helfen nicht weiter. Die Frage ist nicht, welche „die beste“ ist: Sie zielen schlicht nicht auf denselben Käufer. Anbernic deckt ein breites Feld ab, vom Linux-Kistchen für die Hosentasche bis zum Android-Highend, mit ganz unterschiedlichen Displayformaten. Retroid Pocket konzentriert sein Sortiment auf einige wenige, sehr ausgereifte Android-Geräte. Hier der Vergleich, Datenblätter in der Hand.

Vergleichstabelle

Fünf Konsolen von Anbernic und Retroid Pocket, nach den technischen Produktdatenblättern
Merkmal Anbernic RG35XX H Anbernic RG 477V Anbernic RG557 Retroid Pocket 5 Retroid Pocket Flip 2
Display IPS 3.5” LTPS Incell (OCA-Lamination) 4.7” AMOLED 5.48” AMOLED 5.5” AMOLED 5.5”
Bildformat 4:3 4:3 16:9 16:9 16:9
Auflösung 640 × 480 1280 × 960 1920 × 1080 1920 × 1080 1920 × 1080
Chipsatz Allwinner H700 Unisoc T820 MediaTek Dimensity 8300 Qualcomm Snapdragon 865 Qualcomm Snapdragon 865
GPU Mali-G31 MP2 Quad-core Mali-G57 850MHz Mali-G615 MC6 Qualcomm Adreno 650 Qualcomm Adreno 650
RAM 1 GB 8 GB LPDDR4X 12 GB 8 GB 8 GB
Speicher Zwei externe microSD-Slots 128 GB UFS 2.2 256 GB UFS 4.0 128 GB UFS 3.1 128 GB UFS 3.1
Akku 3300 mAh 5500 mAh (Lithium-Polymer) 5500 mAh 5000 mAh 5000 mAh
System laut Datenblatt Android 14
Gewicht 180 g 250 g 347 g 280 g 300 g
WLAN / Bluetooth 5 / 4.2 2.4/5G (802.11a/b/g/n/ac/ax) / 5.0 6e / 5.3 6 / 5.1 6 / 5.1

Ein Gedankenstrich bedeutet, dass das Produktdatenblatt das Merkmal nicht angibt: Das betrifft vor allem das Betriebssystem, das nur die RG 477V dokumentiert.

Display und Bildformat

Bei Retroid Pocket teilen sich beide Geräte dasselbe Panel: AMOLED 5,5 Zoll (14 cm) mit 1920 × 1080, Format 16:9. Anbernic macht das Gegenteil: IPS 3,5 Zoll (8,9 cm) mit 640 × 480 und 4:3 auf der RG35XX H, laminiertes LTPS Incell 4,7 Zoll (11,9 cm) mit 1280 × 960 ebenfalls in 4:3, angegeben mit 500 Nits und 120 Hz, auf der RG 477V, dann AMOLED 5,48 Zoll (13,9 cm) in 16:9 auf der RG557.

Nahezu der gesamte Katalog vor dem Jahr 2000 wurde in 4:3 gestaltet. Auf einem 16:9-Display erscheinen diese Spiele mit zwei schwarzen Balken an den Seiten – oder verzerrt in die Breite gezogen.

Verdikt

Anbernic gewinnt, weil nur diese Marke die Wahl des Formats lässt. Keine Retroid dieses Vergleichs kann ein 4:3-Spiel formatfüllend anzeigen.

Leistung und Emulation

Die RG557 hat einen Dimensity 8300 an Bord, GPU Mali-G615 MC6 mit 1,4 GHz, 12 GB LPDDR5X und 256 GB UFS 4.0. Die beiden Retroid Pocket setzen auf einen Snapdragon 865, Adreno 650 mit 587 MHz, 8 GB LPDDR4X und 128 GB UFS 3.1. Die RG 477V nutzt einen Unisoc T820 und einen Mali-G57 mit 850 MHz; die RG35XX H einen Allwinner H700 mit 1 GB LPDDR4.

Die Datenblätter der RG557, der beiden Retroid und der RG 477V nennen allesamt PS2, GameCube, Wii, 3DS, Saturn, PSP, Dreamcast, N64, DS, PS1 und SNES. Die RG35XX H hört bei Dreamcast und N64 auf, die GameCube wird ausdrücklich als außer Reichweite genannt. Bei diesen schweren Systemen ist die Kompatibilität nie vollständig: Ein Datenblatt, das PS2 angibt, sagt, dass das System läuft – nicht, dass der gesamte Katalog läuft.

Verdikt

Anbernic gewinnt dank der RG557, die den beiden Retroid bei GPU, RAM und Speicher voraus ist. Keine Retroid dieses Vergleichs geht über den Snapdragon 865 hinaus.

Ergonomie und Formfaktor

Retroid standardisiert seine Bedienelemente: analoge Trigger, Hall-Effekt-Sticks, L3/R3, Touch und Gyroskop auf beiden Modellen. Die Pocket 5 wiegt 280 g bei 15,6 mm Dicke, die Flip 2 kommt als Klappgerät auf 300 g.

Bei Anbernic ist der interne Abstand deutlich größer. Die RG35XX H bleibt bei 180 g, doch ihr Datenblatt vermerkt das Fehlen von analogen Triggern, Hall-Effekt, Touch und Gyroskop. Die RG 477V holt all das bei 250 g zurück. Die RG557 ist mit 347 g und 223 mm Länge die mächtigste.

Verdikt

Retroid Pocket gewinnt. Die Bedienausstattung ist auf beiden Geräten identisch und vollständig, und die Pocket 5 wiegt 67 g weniger als die RG557 bei gleichwertigem Display. Bei Anbernic muss man in der Preisklasse aufsteigen, um Hall-Sticks und Touch zu bekommen.

Laufzeit

Die Datenblätter nennen Kapazitäten, keine Laufzeiten – und wir erfinden keine. Anbernic gibt 5500 mAh für die RG 477V und die RG557 an, gegenüber 5000 mAh bei den beiden Retroid Pocket. Die RG35XX H fällt auf 3300 mAh zurück.

Eine größere Kapazität garantiert keine längere Laufzeit: Die RG557 versorgt einen Dimensity 8300, die RG 477V ein 120-Hz-Panel. Bei gleicher Nutzung verbraucht eine leistungsstärkere Maschine mehr.

Verdikt

Anbernic gewinnt beim einzigen messbaren Wert, 5500 mAh gegen 5000. Wichtige Einschränkung: Dieser Vorteil wird zum Teil von einem hungrigeren Prozessor aufgezehrt.

Betriebssystem

Nur ein einziges Datenblatt dokumentiert sein System: das der RG 477V, mit Android 14. Bei den vier anderen bleibt das Feld leer, und wir füllen es nicht nach Gefühl. Die Einordnung im Shop gibt allerdings einen verlässlichen Hinweis: Die RG35XX H steht unter Retro-Konsolen Linux, die RG557 und die Retroid Pocket 5 unter Android-Konsolen.

Android öffnet die App-Stores, installierbare Emulatoren und Frontends. Ein dediziertes Linux-System startet schneller, kommt mit bescheidener Hardware aus und führt direkt zur Spieleauswahl.

Verdikt

Anbernic gewinnt durch die Bandbreite: Es ist die einzige der beiden Marken, deren Katalog vom Linux-Einstieg bis zum Android-Highend reicht.

Verarbeitung

Retroid punktet durch Konsistenz: Beide Geräte zeigen dasselbe AMOLED-1080p-Panel mit 400 PPI, Stereo-Lautsprecher an der Front, UFS 3.1, WLAN 6 und Bluetooth 5.1. Kein abgespecktes Modell in der Auswahl.

Anbernic ist gegensätzlicher. Das Highend macht in mehreren Punkten mehr her: WLAN 6e und Bluetooth 5.3 mit UFS 4.0 auf der RG557, OCA-laminiertes Panel mit 500 Nits auf der RG 477V. Doch die RG35XX H bleibt bei WLAN 5 und Bluetooth 4.2, ohne Stereo-Lautsprecher, und ihr Speicher beruht vollständig auf zwei externen microSD-Karten.

Verdikt

Retroid Pocket gewinnt. Sie können in dieser Reihe blind zugreifen und nichts falsch machen; bei Anbernic ist der Abstand zwischen der RG35XX H und der RG557 beträchtlich.

Welche passt zu Ihrem Profil

Sie wollen vor allem 2D und PS1

Nehmen Sie Anbernic, und zwar genau die RG35XX H. Ihr Datenblatt nennt SNES und die früheren Generationen, PS1, DS, N64 und Dreamcast: exakt der anvisierte Bereich. Ihr 4:3-Display zeigt diese Spiele ohne seitliche Balken, und mit 180 g ist sie die leichteste der fünf. Einen Dimensity 8300 für 16 Bit zu bezahlen, wäre sinnlos.

Sie zielen auf PS2 und GameCube

Nehmen Sie die RG557. Sie schlägt die Retroid Pocket 5 Zeile für Zeile: GPU mit 1,4 GHz gegen 587 MHz, 12 GB LPDDR5X gegen 8 GB LPDDR4X, 256 GB UFS 4.0 gegen 128 GB UFS 3.1. Bei den anspruchsvollsten Systemen trennt dieser Abstand ein spielbares Spiel von einem komfortablen. Nehmen Sie dafür die 347 g in Kauf.

Sie spielen unterwegs

Nehmen Sie die Retroid Pocket Flip 2. Ihr Klappformat ist das einzige im Vergleich, das das Display auf die Bedienelemente klappt: Sie verschwindet in der Tasche, ohne Hülle und ohne Kratzerrisiko. Ihre 140,5 mm im zugeklappten Zustand machen sie deutlich unauffälliger als die 223 mm der RG557.

Häufige Fragen

Ist Anbernic leistungsstärker als Retroid Pocket?

Im Highend ja: Die RG557 mit ihrem Dimensity 8300 übertrifft den Snapdragon 865 der beiden Retroid bei GPU, RAM und Speicher. Doch Anbernic verkauft auch deutlich bescheidenere Geräte wie die RG35XX H. Die Marke sagt nichts über die Leistung aus: Nur das Modell zählt.

Bietet Retroid Pocket ein 4:3-Display?

Nicht unter den hier verglichenen Modellen: Die Pocket 5 und die Flip 2 sind beide in 16:9. Wenn 4:3 für Sie ein Kriterium ist, müssen Sie sich bei Anbernic umsehen, mit der RG35XX H oder der RG 477V, laut ihren Datenblättern nativ in 4:3.

Kann eine Einsteigerkonsole die PS2 emulieren?

Nein. Das Datenblatt der RG35XX H nennt die PlayStation 2 nicht und weist die GameCube ausdrücklich als außer Reichweite aus. Für diese beiden Konsolen müssen Sie zu den aktuellen Android-Modellen greifen – und selbst dort bleibt die Kompatibilität je nach Titel teilweise.

Braucht man fürs Retrogaming unbedingt ein AMOLED-Display?

Nein. AMOLED bringt tiefe Schwarzwerte, die 3D schmeicheln, aber bei 2D-Spielen in niedriger Auflösung zählt oft das Bildformat mehr. Die RG 477V zeigt das: laminiertes LTPS-Panel, angegebene 120 Hz und 500 Nits, ohne AMOLED, für eine native 4:3-Darstellung.

Fazit

Anbernic ist die Wahl der Bandbreite: Formate 4:3 und 16:9, Linux und Android, vom sehr Leichten bis zum sehr Leistungsstarken. Retroid Pocket ist die Wahl der Beständigkeit: eine kurze, homogene Reihe, in der jedes Gerät dasselbe AMOLED-1080p-Panel und dieselbe Bedienausstattung mitbringt. Wenn Sie wissen, was Sie emulieren wollen, lässt Anbernic Sie das feinjustieren; wenn nicht, vereinfacht Retroid Pocket die Entscheidung.

Zum Weiterlesen: das Datenblatt der Anbernic RG557, das der Retroid Pocket 5 und unser Vergleichsrechner für Handheld-Konsolen.

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